Forscher untersuchten nun, wie sich diese besondere Phase mit Sorgen und Lockdown-Situationen auf Erwachsene mit Typ-2-Diabetes auswirkte. 470 Teilnehmer an einer australischen Kohortenstudie zur Progression diabetischer Komplikationen gaben zum Zeitpunkt der Lockdown-Restriktionen Auskunft zu ihrer Situation. Demnach war die Lebensqualität sehr häufig negativ beeinflusst. Auch medizinische Termine wurden häufig storniert oder durch die Patienten gemieden, obwohl sie eine Notwendigkeit dafür sahen.

Die Pandemie ist an niemandem spurlos vorbei gegangen. Forscher untersuchten nun, wie sich diese besondere Phase mit Sorgen und Lockdown-Situationen auf Erwachsene mit Typ-2-Diabetes auswirkte. Teilnehmer an einer australischen Kohortenstudie zur Progression diabetischer Komplikationen wurden zu einem telefonischen bzw. Online-Nachgespräch Mitte 2020, also zur Zeit von Lockdown-Restriktionen in Australien, eingeladen.

Wie hat sich die Coronavirus-Pandemie auf Patienten mit Typ-2-Diabetes ausgewirkt?

Im Vergleich zu Erhebungen vor der Coronavirus-Pandemie ermittelten die Forscher Angstsymptome (GAD-7), depressive Symptome (PHQ-8), Diabetes-Stress (PAID), körperliche Aktivität und Sitzverhalten, Alkoholkonsum und wie die Patienten das Selbstmanagement des Diabetes umsetzen konnten. Zusätzlich erfragte die Studie COVID-19-spezifische Sorgen, Lebensqualität und ob sich gesundheitliche Termine geändert hatten, beispielsweise zu Telemedizin umgewandelt oder abgesagt wurden oder ob Patienten Termine gar vermieden.

Befragung von Teilnehmern einer australischen Kohortenstudie

489 Diabetes-Patienten mit einer vorherigen Studienteilnahme und Befragung (vor 2020) konnten gewonnen werden. Von diesen nahmen 470 Patienten (96 %) an der Befragung mitten im Lockdown teil. Die Patienten waren im Schnitt 66 (+/- 9) Jahre alt, 69 % der Teilnehmer waren Männer. Etwa jeder Dritte der Patienten (31 %) hatte zumindest moderate Sorgen bezüglich einer Coronavirus-Infektion. Zur Lebensqualität wurden unterschiedliche Aspekte erfragt. Am häufigsten negativ betroffen (bei 73 % der Befragten) waren Freizeitaktivitäten. Auch Gefühle über die Zukunft und das emotionale Wohlbefinden litten häufig in der Pandemie-Situation. Jüngere Teilnehmer berichteten dabei mehr negative Folgen als ältere Patienten (p < 0,05).

Insgesamt waren allerdings Angstsymptome und depressive Symptome ähnlich im Vergleich zur Zeit vor der Pandemie. Belastung aufgrund des Diabetes war sogar vergleichsweise reduziert (p < 0,001). Schlechtere Verläufe von Ängsten und depressiven Symptomen zeigten sich bei den Befragten, die COVID-19-spezifische Sorgen oder einen negativen Einfluss auf die Lebensqualität angaben (p < 0,05). Die körperliche Aktivität war reduziert bei einem Teil der Patienten (~10 %), dafür waren allerdings die sitzend verbrachte Zeit, Alkoholkonsum und die Häufigkeit des Blutzuckermessens unverändert. 73 % der Teilnehmer nutzten Telemedizin. Allerdings hatten auch 43 % medizinische Termine storniert und 39 % vermieden es, neue Termine zu machen, obwohl sie eine Notwendigkeit für diese Termine sahen.

Lebensqualität litt häufig, Termin-Management auch – Psyche blieb meist stabil

Die Lockdown-Restriktionen und spezielle Situation in der Coronavirus-Pandemie hatten somit einen negativen Einfluss auf die Lebensqualität der meisten Diabetes-Patienten. Zudem beeinflusste die Situation und Sorgen rund um das Coronavirus manche Verhaltensweisen und wie stark die Befragten mit Typ-2-Diabetes medizinische Termine nutzten oder vermieden. Allerdings waren generalisierte Ängste und depressive Symptome relativ stabil trotz der stark veränderten und häufig belastenden Situation.

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Autor: Sacre, Julian W., Elizabeth Holmes‐Truscott, Agus Salim, Kaarin J. Anstey, Grant R. Drummond, Rachel R. Huxley, Dianna J. Magliano, et al. “Impact of the COVID‐19 Pandemic and Lockdown Restrictions on Psychosocial and Behavioural Outcomes among Australian Adults with Type 2 Diabetes: Findings from the PREDICT Cohort Study.” Diabetic Medicine, May 30, 2021. https://doi.org/10.1111/dme.14611.

Foto: Pexels/ Artem Podrez