Patienten mit metastasiertem, kastrationsresistentem Prostatakrebs, bei denen die Erkrankung trotz Therapie mit einem Androgenrezeptor-Inhibitor fortschreitet, können im Hinblick auf das progressionsfreie Überleben von einer Therapie mit Cabozantinib + Atezolizumab profitieren. Bezüglich des allgemeinen Überlebens hatte die Kombinationstherapie keinen Vorteil gegenüber einem ARPI-Wechsel. Zu diesem Ergebnis kamen Wissenschaftler in einer randomisierten Phase-3-Studie.

Schreitet ein metastasierter, kastrationsresistenter Prostatakrebs mit Weichteilmetastasen außerhalb des Beckens trotz Therapie mit einem Androgenrezeptor-Inhibitor (ARPI) weiter fort, bleiben nur wenige Behandlungsoptionen. Eine Möglichkeit ist der Wechsel zu einem anderen ARPI. Ein internationales Forscherteam untersuchte, ob sich in diesem Fall auch andere Wirkstoffe eignen – und zwar eine Kombination aus Cabozantinib (Tyrosinkinase-Inhibitor) und Atezolizumab (PD-L1-Inhibitor).

Profitieren Patienten mit metastasiertem, kastrationsresistentem Prostatakrebs von Cabozantinib + Atezolizumab?

Die Wissenschaftler führten eine Open-Label, randomisierte Phase-3-Studie durch, an der 575 Patienten mit metastasiertem, kastrationsresistentem Prostatakrebs teilnahmen. Die Patienten hatten nachweisbare Weichteilmetastasen außerhalb des Beckens (Lymphknoten- oder viszerale Metastasen), die trotz einer Therapie mit ARPI weiter fortgeschritten waren.

Die Wissenschaftler teilten die Patienten nach dem Zufallsprinzip in zwei verschiedene Gruppen ein: Cabozantinib + Atezolizumab (289 Patienten) vs. ARPI-Wechsel (286 Patienten). Die Patienten mit der Kombinationstherapie erhielten einmal täglich 40 mg Cabozantinib (oral) und alle 3 Wochen 1 200 mg Atezolizumab (intravenös). Die Patienten mit ARPI-Wechsel bekamen entweder einmal täglich 1 000 mg Abirateron (oral) + zweimal täglich 5 mg Prednison (oral) oder einmal täglich 160 mg Enzalutamid (oral). Die Wissenschaftler untersuchten sowohl das progressionsfreie als auch das allgemeine Überleben der beiden Patientengruppen.

Randomisierte Phase-3-Studie mit 575 Prostatakrebs-Patienten: ARPI-Wechsel oder Cabozantinib + Atezolizumab

Insgesamt nahmen 575 Patienten an der Studie teil. Die Auswertung der Daten zeigte, dass nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 11,8 Monaten (Interquartilbereich, IQR: 9,9 – 19,3) die Patienten im Hinblick auf das progressionsfreie Überleben von Cabozantinib + Atezolizumab stärker profitierten als von einem ARPI-Wechsel (Hazard Ratio, HR: 0,65; 95 % Konfidenzintervall, KI: 0,50 – 0,84; p = 0,0007). Das mediane progressionsfreie Überleben betrug bei Cabozantinib + Atezolizumab 6,3 Monate (95 % KI: 6,2 – 8,8) und bei einem ARPI-Wechsel bei 4,2 Monate (95 % KI: 3,7 – 5,7).

Besseres progressionsfreie Überleben mit Cabozantinib + Atezolizumab, kein Unterschied beim allgemeinen Überleben

Nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 23,1 Monaten (IQR: 17,4 – 30,5) zeigten sich im Hinblick auf das allgemeine Überleben keine signifikanten Unterschiede zwischen den beiden Patientengruppen (HR: 0,89; 95 % KI: 0,72 – 1,10; p = 0,30). Patienten mit Cabozantinib + Atezolizumab überlebten im Median 14,8 Monate (95 % KI: 13,4 – 16,7) und Patienten mit einem ARPI-Wechsel 15,0 Monate (95 % KI: 13,0 – 18,5).

Häufigere schwere Nebenwirkungen unter Cabozantinib + Atezolizumab

Was Nebenwirkungen der Behandlung anging, so waren 56 % der Patienten mit Cabozantinib + Atezolizumab und 26 % der Patienten mit ARPI-Wechsel von schweren unerwünschten Ereignissen betroffen (Grad 3–4). Während bei Patienten mit Cabozantinib + Atezolizumab am häufigsten Bluthochdruck (8 %) und Anämie (8 %) auftraten, war die häufigste schwere Nebenwirkung bei Patienten mit ARPI-Wechsel Anämie (6 %). 17 % der Patienten mit Cabozantinib + Atezolizumab und 15 % der Patienten mit ARPI-Wechsel brachen aufgrund von Nebenwirkungen die Behandlung ab. Es traten keine therapiebedingten Todesfälle auf.

Cabozantinib + Atezolizumab: Behandlungsoption bei metastasiertem, kastrationsresistentem Prostatakrebs

Für Patienten mit metastasiertem, kastrationsresistentem Prostatakrebs mit Weichteilmetastasen außerhalb des Beckens, bei denen die Erkrankung trotz Therapie mit einem Androgenrezeptor-Inhibitor fortschreitet, stellt eine Therapie mit Cabozantinib + Atezolizumab eine Behandlungsoption dar. Im Vergleich zum einem ARPI-Wechsel verbesserte die Kombinationstherapie das progressionsfreie Überleben, nicht aber das allgemeine Überleben.

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Autor: Agarwal N, Azad AA, Carles J, Matsubara N, Oudard S, Saad F, Merseburger AS, Soares A, McGregor BA, Zurawski B, Tsiatas M, North S, Bondarenko I, Alfie M, Bournakis E, Antonuzzo L, Evilevitch L, Simmons A, Wang F, Ferraldeschi R, Nandoskar P, Pal SK. Cabozantinib plus atezolizumab in metastatic prostate cancer (CONTACT-02): final analyses from a phase 3, open-label, randomised trial. Lancet Oncol. 2025 Jul;26(7):860-876. doi: 10.1016/S1470-2045(25)00209-8. Epub 2025 Jun 13. PMID: 40523369.

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