Prostatakrebs mit sehr hohem Risiko: schlechtere pathologische Befunde und häufiger biochemisches Rezidiv nach Operation
Für die richtige Therapiewahl ist es wichtig, vorab das Risiko einzuschätzen, welches vom Prostatakrebs ausgeht. Patienten mit einem sehr hohen Risiko (nach NCCN-Kriterien) hatten nach einer Operation häufiger schlechtere pathologische Ergebnisse (pT4, pN1), persistierende PSA-Werte und biochemische Rezidive als Patienten mit hohem Risiko.
Um die bestmögliche Behandlung auswählen zu können, ist es wichtig zu wissen, welches Risiko vom Prostatakrebs ausgeht. Das NCCN (National Comprehensive Cancer Network) nennt Kriterien, mit denen das Risiko eingeschätzt werden kann. Das Risiko wird als hoch eingeschätzt, wenn mindestens eins der folgenden Kriterien – nicht aber nicht die Kriterien für ein sehr hohes Risiko – erfüllt ist: cT3-cT4, ISUP-Grad 4 oder 5, PSA-Wert >20 ng/ml. Als sehr hoch gilt das Risiko, wenn mindestens zwei der folgenden Kriterien erfüllt sind: cT3-4, ISUP-Grad 4 oder 5, PSA-Wert > 40. Ein internationales Forscherteam verglich die onkologischen Ergebnisse nach roboterassistierter radikaler Prostatektomie bei Patienten mit hohem Risiko und bei Patienten mit sehr hohem Risiko.
Onkologische Ergebnisse nach Prostatektomie bei hohem und sehr hohem Risiko?
Die Wissenschaftler analysierten die Daten von Prostatakrebs-Patienten, die sich zwischen 2008 und 2023 einer roboterassistieren radikalen Prostatektomie unterzogen hatten. 2 871 Patienten erfüllten die NCCN-Kriterien für ein hohes (HR, kurz für high risk) und 100 Patienten für ein sehr hohes Risiko (VHR, kurz für very high risk). Die Wissenschaftler verglichen das Auftreten von biochemischen Rezidiven, die krebsspezifische Mortalität und die Gesamtmortalität zwischen den beiden Patientengruppen. Des Weiteren interessierten sie sich für persistierende PSA-Werte nach radikaler Prostatektomie. Die Nachbeobachtungszeit betrug im Median 48 Monate (IQR: 24 – 72).
Wissenschaftler verglichen Prostatakrebs-Patienten mit hohem und sehr hohem Risiko miteinander
Die Analyse der Daten zeigte, dass sich bei VHR-Patienten im Vergleich zu HR-Patienten nach der Operation häufiger herausstellt, dass sich der Tumor bereits auf Nachbarstrukturen (außer der Samenblase) ausgebreitet hat (pT4; 4,25-mal häufiger) und Lymphknoten befallen sind (pN1; 3,37-mal häufiger). 35 % der VHR-Patienten zeigten einen persistierenden PSA-Wert nach der Operation. Multivariable Analysen zeigten, dass VHR-Patienten ein größeres Risiko für persistierende PSA-Werte (Odds Ratio, OR: 3,67; 95 % Konfidenzintervall, KI: 2,38 – 5,58) und für ein biochemisches Rezidiv (OR: 2,36; 95 % KI: 1,65 – 3,38) nach der Operation hatten. Bezüglich der krebsspezifischen und der Gesamtmortalität konnten keine signifikanten Unterschiede festgestellt werden – hier ist jedoch die nur kurze Nachbeobachtungszeit zu beachten. Alle Merkmale, die ein sehr hohes Risiko (VHR) definieren (cT3-4; ISUP-Grad 4 oder 5; PSA-Wert > 40), waren unabhängige Vorhersagefaktoren für persistierende PSA-Werte und für ein biochemisches Rezidiv.
Schlechtere Operationsergebnisse bei Patienten mit sehr hohem Risiko
Prostatakrebs-Patienten mit einem sehr hohen Risiko (nach NCCN-Kriterien) hatten nach der roboterassistierten radikalen Protatektomie häufiger schlechtere pathologische Ergebnisse (pT4, pN1), persistierende PSA-Werte und biochemische Rezidive als Patienten mit hohem Risiko. Patienten mit sehr hohem Risiko sollten daher schon vor der Operation über neoadjuvante und adjuvante Therapien beraten werden. Zudem sollten sie über ihr erhöhtes Rückfallrisiko und entsprechende weitere Behandlungsmöglichkeiten aufgeklärt werden.
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Autor: Ozawa Y, Saikali S, Moschovas MC, Sandri M, Sharma R, Gamal A, Rogers T, Patel V. Comparison of oncologic outcomes following robot-assisted radical prostatectomy in high- and very high-risk prostate cancer based on the 2025 National Comprehensive Cancer Network risk stratification. Urol Oncol. 2025 Oct 18:S1078-1439(25)00391-6. doi: 10.1016/j.urolonc.2025.09.015. Epub ahead of print. PMID: 41111015
Foto: Pexels/ Andrea Piacquadio
